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Khajuraho

Nach dem Aufenthalt in Delhi und Agra flogen wir weiter nach Khajuraho (Jetair). Khajuraho liegt in Madhya Pradesh (Mittleres Land), genauer gesagt in the middle of nowhere, etwa 400 km östlich von Agra und 400 km westlich von Varanasi. Aber trotzdem ist Khajuraho gut erreichbar, da es direkt am Ort einen Flughafen mit Verbindungen nach Delhi und Varanasi gibt. Wir legten für zwei Tage für die Tempel von Kharjuraho hier ein Stopover ein, bevor wir von Khajuraho nach Varanasi weiterflogen. Um es gleichzu sagen: Khajuraho ist eine Reise wert !

Die Tempel von Khajuraho entstanden im 10. und 11. Jahrhundert und gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.  Weltberühmt sind sie aber nicht wegen ihres Figurenreichtums ihrer Reliefs, sondern vor allem durch ihre erotischen Motive. Obwohl sie um die 1000 Jahre alt sind, hat sich der relativ weiche Sandstein hervorragend erhalten. Die Bezeichnung Erotik ist jedoch für die Motive von Khajuraho leicht untertrieben. Überall sind Pärchen beim Geschlechtsakt abgebildet, sexuelle Praktiken wie Selbstbefriedigung, Oralverkehr, Gruppensex, sogar Sodomie sind dargestellt und viele durchaus frivole Details haben sich erhalten.

Das ganze passt nicht recht ins heutige prüde Indien. Es ist in der Tat so, dass es viele Inder unschicklich finden, wenn manvor der Heirat Khajuraho besuchen. Beim Besuch von Khajuho sieht man viele indische Touristen, die Skulpturen eher verschämt betrachtet und kaum stehenbleiben. Was das ganze noch schlimmer macht: anders wie z.B. die erotischen Malereien in Pompeji sind die erotischen Motive nicht etwa versteckt, sondern in bester Lage an den Aussenwänden von Tempeln angebracht.

Es gibt mehrere Tempelgruppen. In der westlichen Gruppe stehen die Tempel mit den meisten Figuren.

Alle Tempel sind auf einem Steinplateau errichtet. Zu den Tempeln muss man also aufsteigen.

In einem kleinen Nebengebäude befindet sich Vishnu, in seiner Inkarnatation als Eber.

Die Aussenwände der Tempel enthalten ein einziges grosses Bilderbuch, denn sind mit Hunderten von Figuren geschmückt. Da an ein Tempel so im Schnitt 600-800 Figuren abgebildet sind, sollte man sich auf jeden Fall bei der ersten Besichtigung einen Führer mitnehmen. Die Führer kennen die bekanntesten Darstellungen und machen auf kleine Details aufmerksam.

Die Figuren sind teilweise in der Ausführung sehr verschieden. An den Tempelwänden sind die Figuren häufig sehr fein ausgearbeitet, viele Details haben sich bis heute erhalten. Die Frauen haben alle eine perfekte Figur, grosse runde Brüste und sind auch von hinten betrachtet von grosser Anmut.

Entlang der Steinterrassen, die die Tempel umfassen, sind die Reliefs an den Steinterrassen entlang sind deutlich gröber gearbeitet. Hier findet man auch recht derbe erotische Darstellungen.

Die Szenen sind teilweise sogar ganz humorvoll gestaltet. Der Elefant muss jedenfalls beim Anblick des kopulierenden Paares grinsen.

In den Fresken finden sich die gesamten Praktiken der Kamasutralehre.

Auch schon recht abgefahrene perferse Sexualpraktiken wie Sodomie werden thematisiert. Mit die bekannteste Darstellung ist die des Reiters, der sein Pferd zu sehr liebt. Der Figur rechts scheint recht erregt zu sein, während die weibliche Person im Hintergrund entsetzt die Hände vors Gesicht schlägt.

Die Figuren sind teilweise nur wenige cm gross.

Viele Figuren enthalten nette Details. Die Dame in der Mitte des Bildes hat auf ihrem linken Bein einen Skorpion sitzen.

Beim Betrachten dieser Motive fragt man sich schon, was die Erbauer der Tempel vor Tausend Jahren sich dabei gedacht haben. In vielen Reiseführern werden Erklärungen angeboten. Mitten die beste Deutung findet sich im Buch "Hindu India" von Henri Stierlin (ich kenne nur die englische Ausgabe:

Die Gesichter zeigen gelöste und entrückte Mienen. Daran erkennt man, dass es hier keineswegs um Pornographie geht. Vielmehr findet man hier tantrische Darstellungen. Hier sind göttliche Wesen abgebildet, keine normalen Menschen. Die göttliche Perfektion besteht in der Einigkeit.  Das Maskuline und das Femine findet sich zusammen, verschmilzt. Nach der Hindumythologie stammt der Ausgangspunkt aller irdischen Existenz aus dem Gegensatz zwischen männlich und weiblich. Der Geschlechtsakt symbolisiert deren Verschmelzen und damit einen kreativen Akt. Die Darstellung des sexuellen Aktes soll dementsprechend nicht Lust und Geilheit darstellen, sondern vielmehr den Zeugungsakt in all seiner Göttlichkeit darstellen. In diesem Sinn kann man die dargestellten Szenen interpretieren. Die Umrisse der Gruppe im zentralen Motiv unten (Mann mit drei Frauen) bildet z.B. ein hexagonales Muster, das ein wichtiges Yantra (Geometrische Symbole aud dem Tantrismus) darstellt.

Das Männliche und das Weibliche im Hinduismus wird in allen indischen Tempel durch den Lingam (der Phallus, der das Symbol des Schöpfergottes Shiva darstellt) und die Yoni (die weibliche Scham als Symbol der weiblichen Urkraft und Muttergottes Shakti, deren Tochter Parvati Shivas Frau ist) dargestellt.

Nach einiger Zeit wird man vom Figurenreichtum regelrecht erschlagen. Beindruckend ist die Vielfalt der Darstellungen und das gleichzeitgie künstlerische Niveau der meisten Figuren.

In vielen anderen Tempeln findet sich im übrigen erotische Motive. Aber nirgendswo findet man diese Anzahl wie in Khajuraho.

Nach unserem Aufenthalt in Khajuraho flogen wir weiter nach Varanasi.