Start Karnataka Bijapur und Gulbarga - alte muslimische Zentren

Von Bijapur bis Hyderabad
An einem Wochenende machte ich eine Tour durch die alten muslimischen Zentren im Norden von Karnataka.  Zunächst flog ich von Mumbai nach Hubli, von dort nahm ich den Bus nach Bijapur. Von Bijapur ging es dann weiter über Gulbarga nach Hyderabad. Von Hyderabad nahm ich den Flieger zurück nach Mumbai. Es war eine sehr interessante Tour. Die Gegend wird nur von wenigen Touristen besucht. In Bijapur traf ich noch eine Handvoll Ausländer, in Gulbarga keinen einzigen.

Bijapur
Bijapur ist heute ein verträumtes staubiges Provinzstädtchen. Hier befinden sich einige der schönsten muslimischen Bauwerke von Südindien.
Das bedeutendste Bauwerk von Bijapur ist das Golgumbaz. Neben dem Petersdom in Rom und St.Pauls in London dürfte das Golgumbaz zu den drei grössten Kuppelbauten (Durchmesser der Kuppel 38 m) weltweit gehören.

Trotz seiner Grösse ist das Golgumbaz ausserhalb Indiens kaum bekannt. Das liegt wohl auch daran, dass das Monument zwar gross, aber nicht besonders wohlproportioniert ist. Es ist ein wuchtiger Klotz, der aber trotzdem sehr sehenswert ist.
Wie das Taj Mahal ist das Golgumbaz ein Mausoleum. Allerdings ist es nicht das Denkmal einer grossen Liebe. Hier ist Mohammed Adil Shah mit seinen beiden Frauen und seiner Geliebten begraben, die Särge ruhen einträchtig nebeneinander in der Mitte der Halle.

Man kann im Innern  bis hoch zur Kuppel steigen. Hier oben befindet sich die sogenannte Flüstergalerie, die eine gute Akustik haben soll. Ich folgte dem Rat meines Reiseführers und war schon morgens im Gulgumbaz. Allerdings waren schon ein gutes Dutzend Leute ebenfalls frühaufgestanden. Flüstern tat keiner - im Gegenteil der Trupp verursachte einen Höllenlärm.

Bijapur besitzt eine grosse Moschee (Jama Masjid) aus dem 16. Jahrhundert mit einem grossen Innenhof. Die Gebetsnische (Mighrab) zeigt wie üblich nach Mekka.

Die Stadt war von einer Stadtmauer umgeben, die heute aber nur noch teilweise erhalten ist. Hier steht die Kanone Malik-e-Maidan. Diese 4 m lange und 55 t schwere Kanone wurde 1549 gegossen. Der Kopf der Kanone hat die Form eines aufgerissenen Tigermauls, der gerade einen Elefanten verschlingt.



Die schönste Anlage von Bijapur ist sicher der Prunkbau von Ibrahim Rouza.

Der Gebäudekomplex wurde von Adil Shah II, der von 1580 – 1626 herrschte, für seine Frau erbaut. Die Anlage entstand also vor dem Taj Mahal. Mausoleum und Grabmoschee stehen hier gegenüber auf einem gemeinsamen Sockel inmitten einer Gartenanlage. Hier findet man filigrane Steinmetzarebeiten mit Kalligraphien. Ich hatte bei meinem Besuch das Ibrahim Rouza für mich allein – Besuchermassen wie am Taj gibt es hier nicht.

Gulbarga
Gulbarga liegt 140 km nordöstlich von Bijapur. Die Strecke kann man per Bus zurücklegen. Ich war etwas knapp in der Zeit und organisierte mir über das Hotel einen Wagen, natürlich mit Fahrer. Mit 30 Euro war ich dabei - knapp drei Stunden später war ich in Gulbarga. In Gulbarga übernachtete ich im Hotel Pariwar. Im Gebäude war allerdings nur Erdgeschoss und der erste Stock ausgebaut - der Rest war eine Bauruine.

Aber das Hotel selbst war gar nicht so schlecht. Ein Problem in Gulbarga und auch schon in Bijapur war die schlechte Stromversorgung. Abends gab es zuwenig Strom - für Licht und Fernsehen reichte die Spannung, aber nicht für die AC. Mitbezahlen muss man sie trotzdem...Aber über solche Feinheiten muss man hinwegsehen, wenn man die indische Provinz kennenlernen will. Heute ist Gulbarga ein abgelegenes Provinzstädtchen im nördlichen Karnataka, aber im 14. Jahrhundert war es die Hauptstadt der Bahmani-Dynastie. Weitere muslimische Herrschergeschlechter wie die Adil Shahis (siehe Hyderabad) hatten hier ihren Sitz.Wie Bijapur hat Gulbarga einen ausgeprägten islamischen Charakter bewahrt. Als erstes suchte ich die grosse Moschee auf.

Diese Moschee ist komplett überdacht, hat also keinen Innenhof. Der schmucklose Innenraum wird von rechteckigen Säulen dominiert, die in Spitzbögen münden.

Die Moschee entstand im 15. Jahrhundert und war damals eine der grössten in Indien. In der Nähe liegen die Mausoleen von den Adil Shah Sultane.Die Anlage ähnelt etwas den Grabmälern in Hyderabad- einfache schlichte Kuppelbauten, die Sarkophage im Innern sind erhalten.

Gulbarga ist auch heute noch eine wichtige muslimische Pilgerstätte. Ziel der Pilger ist der Dargah (Schrein über dem Grab, siehe auch Haji Ali Dargah in Mumbai) von Hazrat Gesu Daraz. Dies war wohl der bedeutendste Sufi (Sufis= Mystiker im Islam) der Bahmani Herrscher. Er soll von 1321 -1422 gelebt haben, wurde also über 100 Jahre alt. Für diesen Sufi wurde das zweistöckige Mausoleum errichtet - das Ziel der Pilger.

Wie im Haji Ali Dargah werden Frauen und Männer bei der Besichtigung getrennt. Die Männer (unabhängig von ihrer Religion) dürfen direkt ans Grab - die Frauen können es nur aus einer gewissen Distanz betrachten.

Um den Dargah herum gibt es viele Stände, die Blumenblüten und andere Opfergaben verkaufen.

Nach diesen zwei Tagen in Bijapur und Gulbarga war mein Bedarf an muslimischen Bauten gedeckt. Eigentlich hatte ich vor, noch einen Abstecher nach Bidar zu machen. Aber ich entschloss mich, die Tour abzukürzen und von Gulbarga direkt nach Hyderabad zu fahren. Der Bus brauchte für diese 250 km lange Strecke gut 4 Stunden, dann hatten wir die Stadtgrenze von Hyderabad erreicht. Irgendwie waren wir zur abendlichen Rushhour eingetroffen - von der Stadtgrenze bis zum Busbahnhof brauchte unser Bus weitere zwei Stunden. Mittlerweile war es kurz vor Mitternacht. Mein reserviertes Hotel war ganz im Nordosten von Hyderabad. Ich hatte keine Lust mehr auf weitere Stadtfahrten und entschloss mich, in der Nähe des Busbahnhofes zu übernachten. Ein Rikshafahrer brachte mich zu einem Hotel, das selbst im Dunkeln schäbig aussah. Also ab zum nächsten. Das sah ganz passabel aus. Es war ziemlich teuer, 1800 Rupien, also gut 30 Euro. Aber ich war mittlerweile stehend k.o. Also eingescheckt, Zimmer bezogen...ein letzter Gang ins Badezimmer vor dem Schlafen. Im Badezimmer fiel mir ein etwa 30 cm breiter Sims auf, der relativ weit oben in 2 Meter Höhe verlief. Der Sims störte mich nicht - die Ratte, die mich dort beobachtete dann schon. Sie war dann schnell in einem Loch verschwunden. Ich schloss ebensoschnell meine Badezimmertür und vergewisserte mich erstmal, dass es keine weiteren Löcher im Zimmer selbst gab. Die Nacht verlief dann auch friedlich. Am nächsten Morgen wollten sie an der Rezeption beim Bezahlen wissen, wie es mir das Hotel gefallen hätte. Da die Leute in diesem Hotel nur wenig Englisch konnten, verzichtete ich weitere Diskussionen. Anschliessend fuhr ich direkt zum Flughafen und flog mit Jet-Air zurück nach Mumbai zurück.