Start Maharashtra Streifzug durch das südliched Maharashtra

Mit Kishor Kumbhar, ein Arbeitskollege aus meinem Labor, verstand ich mich sehr gut. Kishor stammt aus einer bäuerlichen Familie. Seine Familie lebt in der Nähe von Patan im Süden von Maharashtra, etwa 6 Autostunden von Mumbai entfernt. Kishor lud Birgit und mich für ein langes Wochenende zu sich nach Hause ein. Er arrangierte ein Auto mit Fahrer. Die Tour ging zuerst nach Pune.
Pune liegt 180 km östlich von Mumbai. Mit dem eigenen Auto benötigt man 2.5 – 3 Stunden. Die Strasse ist mittlerweile autobahnähnlich ausgebaut. Zeitraubend ist vor allem das erste Stück aus Mumbai heraus durch die endlosen Vorte. Die Stadt Pune hatte ich schon einmal besichtigt. Wir fuhren nicht ins Zentrum, sondern fuhren direkt zum Zoo von Pune (Rajiv Gandhi Zoo in Katraj) etwas ausserhalb. Dieser Zoo ist mit Abstand der beste, den ich in Indien gesehen habe. Sehr interessant war der Snake Park.

Hier waren alle wichtigen indischen Schlangen zu besichtigen, denen man ausserhalb des Käfigs nicht begegnen möchte. Dazu gehört die ebenso scheue wie tödliche Krait

Spektakulär war die Schlangengrube, wo sich Hunderte von Schlangen in allen Grössen befanden. Eine Kobra schaute uns ganz interessiert an.

Mittendrin befand sich auch ein Tierpfleger.

Er meinte zu uns, dass die meisten Schlangen total harmlos seien. Er legte Birgit dann eine von dieser Sorte (?) in die Hand zum Anfassen.

Etwa drei Sekunden nach dieser Aufnahme wurde das Tierchen mit einem Schrei zurück in den Käfig entlassen. Die Schlange hatte sich zu ihr umgedreht und wollte in Richtung Ärmel kriechen...

Im angrenzenden Freigehege waren u.a. weisse Tiger zu bestaunen.

Anschliessend fuhren wir von Pune weiter Richtung Süden. In Satara gibt es ein Museum, das Chattrapathi Shivaji gewidmet ist.

Leider durfte man im Museum nicht photographieren. Während unseres Besuches fiel dann der Strom aus. Kein Problem – vom Museumswächter bekamen wir eine Petroleumlampe und konnten unseren Rundgang fortsetzen. Im Schein der Lampe wirkten die Ausstellungsstücke besonders gut. In Satara sollen auch heute noch zahlreiche Nachkommen von Shivaji leben.

Abends kamen wir am Koyna Lake an. Der Koyna Lake ist ein Stausee und dient als Süsswasserreservoir. An der Staumauer befindet sich auch ein Kraftwerk. Kishor brachte uns hier in einem kleinen Hotel unter. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen wunderbaren Blick auf den Koyna Lake und die umgebenden Berge.

Das Frühstück konnten wir am nächsten Tag im freien einnehmen – mit Seeblick.

Wir machten zunächst eine kleine Bootsfahrt auf dem See. Der Wind war jedoch an dem Tag zu stark, so dass wir nach einer halben Stunde wieder umdrehen mussten.

Anschliessend ging es dann ins nach Patan zu Kishors Familie.  Kishors Eltern und die gesamte Grossfamilie hiessen uns herzlich willkommen. Wir waren die ersten Ausländer, die bei ihnen zu Besuch waren. Ausser Kishor sprach niemand Englisch. Die Eltern hatten für unseren Besuch extra einen Tisch besorgt.  Normalerweise isst die Familie abends im Sitzen auf dem Boden. Uns Westlern wollte man das nicht zumuten, also musste ein Tisch her.

Zum Abendessen gab es Suppe und Lamm mit Chapati.

Wie üblich, essen die Männer mit den Gästen. Die Frauen sorgten für die Bewirtung und aßen hinterher für sich in der Küche. Im Haus wohnten ausser Kishors Eltern noch Grosseltern von ihm. Grossvater trug weiss mit der typische Gandhi-Mütze, seine Frau einen Sari.

Wir hatten den Eindruck, dass sie für unseren Besuch alle ihre besten Kleider trugen. Zur Familie gehörten noch die beiden Hunde Whisky und Wodka.

Hier eine Übersicht über die nähere Verwandtschaft von Kishor.

Uns intereressierte vor allem, wovon seine Familie hier auf dem Land lebte. Ein Verwandter von ihm hat am Ortsrand eine „brick factory“ (Ziegelfabrik).

Hier werden in der Trockenzeit Ziegeln hergestellt. Aus dem Lehm des Erdreiches, Stroh und Wasser werden die Zutaten für die Ziegeln zusammengemischt.

Die rohen Ziegeln werden dann aufgeschichtet und gebrannt. Wie überall in Indien wird ein Grossteil der körperlichen Arbeiten von Frauen erledigt.

In der Regenzeit verwandelt sich das Gelände in eine Morastlandschaft – die „Ziegelfabrik“ unterbricht ihre Produktion. Wenn die Trockenzeit beginnt, wird der Betrieb wieder eingerichtet.

Kishors Familie bewirtschaftet einen bäuerlichen Betrieb. Insgesamt haben sie in der Erntezeit 90 Angestellte. Das klingt nach Grossgrundbesitzer, aber in Indien bedeutet das nicht viel. Im Stall standen ein paar Rinder.

Die Rinder werden aber nicht nur zur Milchproduktion gebraucht. Obwohl die Familie auch einen Traktor hat, werden die Rinder nach wie vor als Zugtiere benötigt. Einmal im Jahr wird übrigens Erntedankfest gefeiert. Die Tiere müssen an diesem Tag nicht arbeiten, im Gegenteil, sie werden gewaschen und massiert. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Hörner neu gestrichen. Angebaut wird auf den Feldern vor allem Zuckerrohr.

Hier wird gerade neues Feld neu ausgesät.

Kishor präsentierte uns stolz einen neuen Traktor, mit dem ich auch eine Runde fahren musste/durfte.

Unser Besuch im Örtchen hatte sich herumgesprochen. Wir wurden dem Dorfältesten vorgestellt. Der Mann machte mit seinen 83 Jahren einen ausgesprochenen vitalen Eindruck.

Am nächsten Tag ging es dann zurück Richtung Mumbai. Überall wird hier Zuckerrohr angebaut. Die Laster, die das Zuckerrohr transportierten, machten die Strassen zusätzlich unsicher.

Unterwegs besichtigten wir in Chiplun noch das Walavalkar Shivaji Museum. Hier waren in einer Halle das Leben und die Taten von Shivaji in Form von Statuen nochmal dargestellt.

Da durfte natürlich auch die Szene nicht fehlen, wo Shivaji Afzal, den muslimischen Herrscher von Bijapur im Zweikampf besiegt. Angeblich hatte sich Shivaji mit ihm zu einem Treffen ohne Waffen verabredet. Der muslimische Herrscher zog jedoch beim Aufeinandertreffen einen Dolch. Shivaji hatte aber für den Fall eines Hinterhaltes auch ein Messerchen (eine sogenannte Tigerkralle) in der Hand und schlitzte Afzal den Bauch auf. Ob sich das wirklich so zugetragen hat, kann ich nicht beurteilen. Es sei nur kurz angemerkt, dass die muslimischen Geschichtsschreiber dieses Tötungsdelikt anders dokumentieren...

Ein Besuch des museumseigenen Tempels musste dann auch noch sein.

Irgendwann war Birgit genervt, weil die Wege voller spitzer Steine waren, wir aber wie üblich alles barfuss ablaufen mussten. Damit hatten wir auch ziemlich alle Gedenkstätten des legendären Marathenherrschers in Maharashtra besichtigt. Kishor war auf jeden Fall sehr stolz auf Shivaji. Er habe dafür gesorgt, dass er heute Hindu sei, sagte er uns.

Dann kam noch eine kleine Überraschung. Bei Chiplun wohnte Geetanjali (die erste von rechts in der ersten Reihe), eine Cousine von Kishor mit ihrer Familie.

Hier waren wir zu einem vegetarischen Mittagessen eingeladen.

Vorher hatte uns Kishor mitgeteilt, dass Geetanjali seine künftige Frau werden sollte. Die Familien hatten sich bereits geeinigt. Kishor war sich aber noch nicht ganz sicher. Eine Heirat zwischen Cousin und Cousine ist nicht selten. Die beiden hatten auch bereits einen Bluttest gemacht, um das Risko möglicher Erbkrankheiten für die Kinder zu minimieren. Von daher war alles o.k. Er wollte unsere Meinung über die junge Frau hören. Tcha – was sollten wir da sagen? Wie alle indischen Frauen war sie uns gegenüber sehr schüchtern. Sie machte einen sehr sympatischen Eindruck auf uns. Als wir Kishor dies mitteilten, war er sehr zufrieden.

Dann setzten wir unseren Rückweg fort. 80 km vor Mumbai stoppten wir noch an einem Fluss.

Am anderen Ufer des Flusses befanden sich heisse Quellen. Es blieb Zeit für ein kurzes Bad, bevor die Sonne unterging.

Am späten Abend kamen wir dann wieder in Mumbai an.

Nachtrag: Mittlerweile hat Kishor seine Cousine geheiratet.  Sie hat ihre Ausbildung im IT-Bereich abgeschlossen. Kishor hat unsere Firma verlassen und arbeitet an der Universität Pune an seiner Doktorarbeit. Ende 2009 haben wir Kishor und seine Familie in Pune wieder besucht.