Start Madhya Pradesh Bhopal und Sanchi

Bhopal

Eine zweitägige Tour in die Hauptstadt von Madhya Pradesh liess sich von Mumbai leicht durchführen. Ich flog mit Jet Air direkt nach Bhopal. Die eigentliche Sehenswürdigkeit der Region befindet sich etwa 50 km ausserhalb von Bhopal. Hier liegt Sanchi - eines der wichtigsten buddhistischen Stätten in Indien.

Der Name Bhopal ist bis heute mit einer schlimmsten Chemiekatastrophen verbunden, die sich 1984 hier ereignete. Das Chemieunglück war die Folge einer Fehlerkette von menschlichem Versagen, fehlenden Sicherheitsstandards und nicht zuletzt einem katastrophalen Krisenmanagement. Die Zahl der Opfer ist bis heute nicht bekannt - Schätzungen schwanken zwischen 4000 - 20.000. Auch der indische Staat spielte bei der Aufarbeitung des Unglücks eine unrühmliche Rolle. Union Carbide behauptete dagegen, dass Sabotage zum Unglück geführt habe. Bereits 1989 hatte man mit der indischen Zentralregierung auf eine Entschädigung von 470 Millionen US $ geeinigt. Angeblich haben tatsächlich 500.000 Betroffene sowie die Hinterbliebenen von mehr als 15.000 Opfern Einmalzahlungen von umgerechnet einigen Hundert Euro erhalten. Das ist noch nicht mal der berühmte Tropfen auf den Stein - und viele Opfer haben gar nichts bekommen. Eine gute Beschreibung der Ereignisse findet man unter http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Bhopal .

Das ehemalige Werksgelände der Firma Union Carbide ist heute verlassen. Die Gebäude rosten vor sich hin - auf dem Gelände sollen sich immer noch Chemieabfälle befinden. Angeblich gibt es Pläne, das Areal für Besucher zu öffnen.  Die Umgebung um das Werk ist nach wie vor dichtbesiedelt. Als Chemiker muss man sich für das Unglück schämen - es hat den Ruf der chemischen Industrie nachhaltig beschädigt. Union Carbide ist seit 2001 eine Tochtergesellschaft der Dow Chemical. Bereits 1994 wurde die indische Tocher Union Carbide India abgestossen.

Heute hat Bhopal gut eine Million Einwohner. Die Stadt liegt an einem künstlichen See.

Die Stadt selbst bietet nicht viel. Eine lebhafte Altstadt, einige Moscheen und eine Kuh mit verdrehtem Horn - ein kurzer Rundgang reichte mir.

Es gibt jedoch zwei sehenswerte Museen in Bhopal. Das Bharat Bhavan (Bharat ist der offizielle Name für Indien), das 1982 eröffnet wurde, ist eines der grössten Kunstmuseen Indiens. Ursprünglich hatte man vor, eine derartige Anlage in allen indischen Bundeshauptstätten einzurichten. Aber nach dem Tod von Indira Gandhi 1984, die das Projekt vorangetrieben hatte, wurde letztendlich nur die Anlage von Bhopal gebaut. Das Bharat Bhavan ist ein staatliches sehr grosszügig angelegtes Museum mit einer Mischung von einem Querschnitt von verschiedenen Kunstformen aus Indien. ä

Eine bunte Mischung von verschiedenen Kunstobjekten aus Indien wird hier präsentiert: Skulpturen, moderne indische Malerei, Kunstwerke der Adivasi (die indischen Ureinwohner) und vieles mehr.

Ausserdem gibt es noch ein Freilichtmuseum, das Museum of Man. Hier hat man typische traditionelle Häuser mit Alltagsgegenständen aus den verschiedensten indischen Bundesstaaten aufgebaut.

Sanchi

Knapp 50 Kilometer nordöstlich von Bhopal befindet sich Sanchi. Sanchi ist eine uralte buddhistische Pilgerstätte auf einem Hügel. Hier befindet sich das bedeutendeste buddhistische Bauwerk in Indien: die Grosse Stupa.

Eine Stupa war ursprünglich ein Hügel, der eine Reliquie Buddhas beherbergte. Die Stupas wurden somit zu Kultobjekten und Andachtsstätten - sie halfen den Anhängern von Buddha, die Lehre weiter zu verbreiten.

Kaiser Ashoka liess hier im 3. Jh. v. Chr. eine Stupa errichten. Mit dem Wirken Buddhas hat der Ort keinen Bezug. Ashokas Frau soll aus der Nähe stammen. Später geriet Sanchi in Vergessenheit und wurde erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt.

Die Hauptstupa ist von vier reichverzierten Eingangstoren, die aus dem 1. Jh. v. Chr. stammen, umgeben. Am den Toren sieht man an den Enden der Querstreben jeweils das Rad abgebildet. Das Rad symbolisiert Buddha. Als die Tore gebaut wurden, wurde Buddha nur in Form von Symbolen dargestellt.

Die Pfeiler und Querstreben sind Skulpturen von Menschen, Tieren und Symbolen reich verziert.

Die berühmteste Skulptur ist eine zierliche junge Frau, die sich unter dem Kapitell in den Raum hinauslehnt. Es soll sich hier um eine Fruchtbarkeitsgöttin handeln, die den Gläubigen hier den Segen spendete.

Sie macht auch von hinten noch eine gute Figur. Ein Wunder, das sich die Figur über die Jahrhunderte in der Position unverändert erhalten hat.

Die Buddhas an den Eingängen der Stupas entstanden erst 500 Jahre später im 4. Jh. n. Chr.

Wie in anderen buddhistischen Orten wie Ajanta sieht man viele buddhistische Pilger aus Ostasien, hauptsächlich Japaner. Hier umkreiste eine japanische Pilgergruppe umkreisen den Grossen Stupa im Uhrzeigersinn.

Neben dem Grossen Stupa gibt es auf dem Gelände noch eine weitere etwas kleinere Stupa mit nur einem Eingangstor.

 

Östlich der Stupas weg befinden sich zahlreiche kleine Stupas, Tempelreste und eine Klosteranlage. Im Innern des ursprünglichen Turms befindet sich ein sehr schöner Buddha, der auf einer Lotusblüte sitzt.

Hier hat man von der Begrenzungsmauer auch einen Blick in die Ebene von Sanchi.

Sanchi beeindruckte mich nicht nur durch die feinen über 2000 Jahre alten Skulpturen an den Toren, sondern der Ort verfügt über eine sehr beruhigende Atmospäre. Dazu trägt die Lage bei. Ausserdem kommen immer noch vergleichsweise wenig Besucher hierher, da der Ort doch recht abgelegen liegt.