Start Gujarat Von Bhavnagar nach Porbandar

Mein Büronachbar Parag stammt aus Porbandar, der Geburtsstadt von Gandhi. Er lud mich zu einem Wochenende zu sich nach Porbandar ein. Ich entschloss, den Besuch bei ihm mit einem Besuch des Jain-Heiligtum von Palitana zu verbinden und von dort mit dem Bus quer durch Gujarat weiter nach Porbandar zu fahren. Daher flog ich zunächst von Mumbai nach Bhavnagar (Jet air). Von Bhavnagar sind es 50 Kilometer nach Palitana. Nach der Besichtigung von Palitana fuhr ich mit dem Bus nach Rajkot und übernachtete dort. Am nächsten Tag ging es dann von Rajkot per Bus weiter nach Porbandar zu Parag. Von Porbandar aus flog ich direkt nach Mumbai zurück.

Etwas ausserhalb des modernen Städtchen Palitana erhebt sich der 591 m hohe Shatrunjaya Berg. Der Gipfel des Berges ist das bedeutendste Pilgerzentrum für die Jains in Indien. Dort oben hat man Hunderte von Tempeln errichtet. Auf den Gipfel führt ein ca. 5 km langer Fussweg mit insgesamt gut 3000 Treppenstufen.

Ich hatte knapp 4 Stunden Zeit für die Besichtigung inklusive Auf-und Abstieg. Es fuhr an diesem Tag nur ein Bus nach Rajkot, den ich kriegen musste. Aber die Zeit reichte - für den Aufstieg brauchte ich 1.5 Stunden, runter ging es dann in knapp einer Stunde.

Ältere und Gebrechliche können sich den Berg hochtragen lassen.

Nach einem ersten steilen Anstieg kam der Gipfel mit seinen Tempelanlagen in Sicht.

Die Angaben über die Anzahl der Tempel oben auf dem Hügel schwanken zwischen 900 und 1800.

Oben sieht man die Gläubigen vor und in den Tempeln beten. Beim Beten legen die Jains den Mundschutz an. Da ihre Religion es ihnen verbietet, Tiere zu töten, verhinderte der Mundschutz das Einatmen von Insekten. Einige besonders "orthodoxe" Jains tragen in der Öffentlichkeit immer Mundschutz, einige haben sogar eine Schaufel mit Besen dabei und fegen den Boden vor ihren Füssen, wo sie hergehen. Die überwiegende Mehrheit der Jains legt das Mundtuch nur beim Gebet an. Ledergürtel (Teile von toten Tieren) sind in den Jain Tempeln in ganz Indien verboten.

In den Innenhöfen sammeln sich die Gläubigen. Eine der zahlreichen Untergruppen der Jains sorgt übrigens immer wieder für Aufsehen: die Digambaras (die "Luftgekleideten"). Sie legen die Lehre am strengsten aus, kennen keinen materiellen Besitz und tragen nur Mundschutz, sonst aber keine Kleidung, laufen also nackt herum. Ich habe in Mumbai während meines Aufenthaltes zweimal eine Gruppe von männlichen Digambaras gesehen. Das waren allesamt ausgesprochen ausgezehrte Gestalten, echte Asketen. Normalerweise wandert man in Indien ins Gefängnis, wenn man sich nackt in der Öffentlichkeit zeigt. Aber wenn es die Religion vorschreibt, wird es akzeptiert.

Es gibt Hunderte von kleinen und grösseren Tempeln, einige davon aus Marmor. Alle müssen Palitana abends verlassen - auch die Jainpriester. Nachts ist der Aufenthalt auf dem Shatrunjaya-Berg den Göttern vorbehalten.

Nachdem ich eine gute Stunde durch die Anlage geschlendert war, wurde es Zeit für den Abstieg. Runter ging es dann schnell. Unten am Fusse des Berges unterhalten die Jains eine Küche, wo jeder Besucher von Palitana umsonst eine Mahlzeit erhalten kann. Ich verzichtete aber darauf und stieg direkt in den Bus nach Rajkot. Am späten Abend kam ich nach vierstündiger Fahrt in Rajkot an. Übernachtet habe ich in einem Hotel, das Verwandten von Parags Frau gehörte. Das Abendessen wurde mir aufs Zimmer gebracht: Fleisch im Sizzler mit Pineapple Raita...

Am nächsten Tag nahm ich in Rajkot den Schnellbus nach Porbandar. Nach knapp zwei Stunden Fahrt hatte der Bus einen technischen Defekt, der nicht repariert werden konnte. Daraufhin nahm uns ein anderer Bus mit. Aber auch dieser Bus blieb nach kurzer Zeit stehen und bewegte sich nicht mehr.  Am Ende wurden die Passagiere unseres Busses auf lokale Busse verteilt, die natürlich schon voll waren.  Etwas erschöpft kam ich nachmittags mit zwei Stunden Verspätung in Porbandar an, wo mich Parag schon erwartete.

Porbandar ist ein Städtchen direkt am Meer. Hier wurde Mahatma Gandhi geboren. Sein Geburtshaus ist heute eine Gedenkstätte.

 

Das Haus selbst ist fast leer. Es gibt aber eine Gedenkstätte für Gandhi und seine Ehefrau.

Dort werden Photographien aus seinem Leben gezeigt.

Insgesamt macht das Geburtshaus einen sehr bescheidenen Eindruck und wirkt damit genauso, wie Gandhi gelebt hat. Im Gesamtkomplex der Anlage wirkt es sehr unscheinbar.

Hier in Porbandar wohnt die Mutter von Parag. Auch seine Frau stammt aus Porbandar.

Parag hat mir eine Unterkunft in einem Wohnheim direkt am Meer organisiert.  Natürlich war schon alles bezahlt - Gastfreundschaft wird überall in Indien grossgeschrieben.

An den Küsten von Porbandar findet man überall grössere Vogelkolonien. Ab und zu sieht man Flamingos. Die glänzten bei meinem Besuch durch Abwesenheit, aber diverse andere Reiher waren zu sehen.

Porbandar hat einen kleinen Fischerhafen, aber auch einen grösseren Bereich für Frachtschiffe.

Hier werden keine Containerschiffe am Fliessband entladen. Nur ein Frachter war da und wurde in aller Ruhe von einer Frau entladen.

Zum Abschluss besuchten wir noch den neuerrichteten hinduistischen Hari-Tempel etwas ausserhalb.

Dann wurde ich zum Flughafen gebracht. Der Airport von Porbandar ist klein und überschaubar. Die Flughafenkantine befindet sich hinter einer Durchreiche. Immerhin gab es Kaffee und Tee. Der Flug zurück nach Mumbai dauerte eine gute Stunde.