Start Maharashtra Im Shivaji-Land

Shivaji ist der Nationalheld der (hinduistischen!) Marathen. Er kämpfte zur Zeit der Moguln auf der Seite der unterdrückten Hindus. Er hatte mehrere Burgen und Zufluchtsorte in Maharashtra und konnte den zu der Zeit herrschenden islamischen Herrscher immer wieder entkommen. Von ihm kursieren zahlreiche Heldentaten. In der Tat war er ein geschickter Feldherr und beherrschte den Guerillakrieg perfekt.  Aurangzeb konnte ihn gefangennehmen und nach Agra bringen. Shivaji aber gelang die Flucht und setzte seinen Feldzug fort. Meine Arbeitskollegen (allesamt Hindus) waren sehr stolz auf Shivaji. Er wird als bedeutender Krieger und Gegenspieler der damaligen muslimischen Grossmogule gesehen.  Es sei Shivajis Verdienst, dass der Hinduismus in Mahrashtra überlebt habe, heisst es. Es gibt daher in Maharashtra einige Shivaji-Gedenkstätten und Shivaji-Museen, wo seine Taten dargestellt und verherrlicht werden.

Der internationale Flughafen von Mumbai und der grösste Bahnhof ist folgerichtig nach Shivaji, dem Schirmherr (=Chattrapathi) Maharashtras benannt.

Das Leben Shivajis wird an vielen Orten in Maharashtra lebendig. Die bedeutendenste Shivaji-Festung steht in Raigad, eine weitere in Pratabgat.

Raigad
Ein sehr schöner Wochenendausflug führt nach Raigad, ca. 250 km südöstlich von Mumbai in den Western Ghats gelegen. Für eine Tagestour ist es zu weit, man muss eine Übernachtung in Raigad einplanen. Raigad ist durch seinen Tafelberg bekannt, auf dem die bekannteste Burg des Feldherrn Shivaji liegt. Shivaji wird von den Hindus in Maharashtra in Ehren gehalten und beinahe wie ein Gott verehrt.

Ich habe die Tour nach Raigad zweimal gemacht, einmal während im Rahmen eines Ausfluges mit meinen Arbeitskollegen während der Monsoonzeit und danach noch einmal in der Trockenzeit.

Monsoontour nach Raigad
Wie in Deutschland machen die Inder von ihrer Firma gerne Betriebsausflüge. Besonders beliebt sind dabei die Touren in der Monsoonzeit. In der Trockenzeit zwischen Oktober und Mai fällt in Mumbai normalerweise kein Tropfen Regen. Anfang bis Mitte Juni setzt dann der Monsoonregen ein.

Unsere Monsoontour ging Mitte August von Mumbai nach Raigad. Organisiert hatte die ganze Tour Kishor Kumbhar, der aus der Region stammt - er war ein perfekter Reiseleiter.

Die Umgebung von Mumbai ist dann herrlich grün dank der ergiebigen Niederschläge. Auch die allgegenwärtigen Affen waren gut drauf.

Überall bilden sich kleinere und grössere Wasserfälle, die gegen Ende der Regenzeit wieder versiegen.

Leider gibt es in der Monsoonzeit kaum klare Tage. Es ist meistens neblich und die Sicht ist stark eingeschränkt, aber die Landschaft ist dennoch beeindruckend. Immer wieder gingen heftige Schauer nieder - auch die Affen zogen es vor, sich unter dem LKW unterzustellen.

An einem der zahlreichen Wasserfälle wurde zunächst gebetet. Danach stellten sich die Kollegen in Position, zunächst die Männer....

...und dann die Damen.

Zu guter Letzte wurde das obligatorische Gruppenfoto gemacht, natürlich mit Selbstauslöser. Es sollte schliesslich jeder drauf sein.

Am nächsten Wasserfall war dann Duschen angesagt. Darshan schien es zu gefallen.

Darshan trug den Spitznamen "Womanizer". Hier sieht man warum.

Im Anschluss erfolgte eine kleine Stärkung mit gebratenen Zwiebeln. Maharasthra ist bekannt für frittierte Zwiebeln - unbedingt probieren nicht nur in der Monsoonzeit.

 

Abends kamen wir in Raigad an. Dort wurde in einer Art Jugendherberge übernachtet. Mit einem gemütlichen Beisammensein am Lagerfeuer endete der Tag.

Am nächsten Morgen ging es zunächst in Shivaji-Museum. Hier wurde das Leben des grossen Feldherrn in zahlreichen Bildern und Texten dargestellt. Die Texte waren allerdings ausschliesslich in Marathi, eine englische Übersetzung gab es nicht. Übrigens waren auch einige meiner Arbeitskollegen des Marathi nicht mächtig, da sie aus anderen indischen Bundesländern kamen. Hindi und Englisch konnten alle, aber Marathi sprachen nur die Leute aus Maharashtra bzw. die schon sehr lange dort lebten. Die Sprachen Marathi und Hindi sind einander zwar ähnlich, aber man versteht sich nicht.

 

Nach dem Museumsbesuch sollte es dann auf das Plateau gehen, auf dem die wichtigste Burganlage Shivajis steht. Auf besagtes Plateau (800 m hoch) führt eine der wenigen Seilbahnen Indiens. Die Gondeln sind recht klein und für genug Frischluft ist auch gesorgt, denn Fenster gibt es nicht.

 

Die Fahrt nach oben dauert etwa 7 Minuten. Ich muss ein bisschen skeptisch geguckt haben.Meine Kollegen versicherten mir, dass die Bahn bislang ohne grössere Pannen funktioniert. Ich wollte das gerne glauben...aber trotzdem war ich froh, als ich oben aus der Gondel steigen konnte. Während der Fahrt nach oben hatten wir dabei einen sehr schönen Blick auf die Berghänge mit den zahlreichen Wasserfällen.

Oben angekommen, begann es erstmal heftig zu regnen. Das fanden alle toll. Für mich hätte der Regen auch zum Schluss kommen können. Es war nicht kalt, frieren mussten wir nicht. Aber wir waren bald komplett durchnässt - aber das gehört bei einer Monsoontour halt dazu.

Oben auf dem Berg befindet sich die Burganlage mit zahlreichen Gebäuden, u.a.mit dem Thron von Shivaji.Wenn man in Indien einen heiligen Ort (Tempel, Moschee, Wallfahrtszentrum etc) besuchen will, muss man vorher die Schuhe ausziehen. Selbstverständlich gilt das auch in der Regenzeit. Daher versammelte sich die gesamte Truppe vor Shivajis Thron barfuss. Mein Kollege Parag behielt dagegen seine Latschen an - er hatte es schlicht vergessen, die Schuhe auszuziehen.

Von der Palastanlage war aufgrund des Nebels nicht viel zu erkennen.

Hier posieren Darshan und Shrirang.

Ein Denkmal zeigt Shivaji auf dem Thron sitzend. Dort wurde ein kurzes Gebet gesprochen. Mit kritischen Kommentaren zum Shivaji-Kult sollte sich der Ausländer zurückhalten - die Marathen sind sehr stolz auf ihren Feldherrn.

Man konnte zwar vielerorts nur wenige Meter weit sehen, aber die Vegetation (hier die moosbedeckten Bäume) sorgten für eine eindrucksvolle Kulisse.

Nach einem ausgedehnten Spaziergang mit einigen weiteren Regengüssen ging es dann zurück in die Herberge zum Trocknen und anschliessend zurück nach Mumbai.

 

Raigad in der Trockenzeit
Gut zwei Monate später in der Trockenzeit war ich - diesmal mit Birgit- wieder in Raigad. Das saftige Grün war ebenso verschwunden wie die Wasserfälle und der Nebel. Die Seilbahn bot den vertrauten Anblick, den ich schon kannte.

Wieder ging es der Festung von Shivaji entgegen.

Die Trockenzeit hatte begonnen, aber die Landschaft war zumindest teilweise noch grün, noch nicht ganz verbrannt.

Oben auf dem Hügel gab es zum Überwinden der letzten Höhenmeter ein kleines Bähnle, das in der Regenzeit leider Betriebspause hatte. Voller Vertrauen stiegen wir ein - im Notfall konnte man leicht abspringen.

Die Festungsanlage konnte man nun bei sonnigem Wetter schon von weitem sehen.

Verhungern muss man oben nicht -diese Verkäuferin bot Getränke und Snacks an.

Ein Turmruine des früheren Forts ist noch erhalten.

 

Der Baldachin, wo der Thron von Shivaji gestanden haben soll, ist in der Trockenzeit das Pilgerziel der einheimischen Touristen.

Erhalten ist auch noch das Eingangstor zum Palast. Irgendwie gefiel mir die Atmosphäre in der Regenzeit besser - obwohl wir jetzt eine Übersicht über die gesamte Anlage hatten.

Von den meisten Gebäuden sind nur noch Ruinen erhalten.

Nicht nur Shivaji, sondern auch seinem treuen Begleiter auf 4 Pfoten wurde hier ein Denkmal gesetzt.

Wir liefen noch zu den Aussichtspunkten und genossen den Ausblick ins Tal. Den nächsten Besuch von Raigad mache ich wieder in der Regenzeit.