Start Panjab

Der Bundesstaat Panjab im Nordosten Indien wird von den Sikhs geprägt. Der Lebensstandard ist relativ hoch, die Gegend gilt als Kornkammer Indiens. Amritsar ist berühmt wegen des Goldenen Tempels, das oberste Heiligtum der Sikhs.

Ein Wort zu den Siksh: Die monotheistische Sikh Religion geht auf den Wanderprediger Guru Nanak zurück, der im 15. Jahrhundert lebte. Insgesamt gibt es ca. 23 Millionen Sikhs weltweit. Die männlichen Sikhs tragen den gemeinsamen Namen "Singh" (=Löwe), die Frauen "Kaur" (= Prinzessin). Die praktisierenden Sikh Männer schneiden ihr Haar nicht, tragen also Vollbart. Das lange Haar wird dabei in einen Turban eingewickelt. Weitere äussere Zeichen der Sikhgemeinschaft sind ein eiserner Armreif und ein kleiner Dolch.

Während unserer Tour nach Ladkah haben wir d kurz von Delhi aus einen eintägigen Abstecher nach Amritsar gemacht. Wir flogen die Strecke Delhi-Amritsar-Delhi mit Air Deccan, weil Indian Airlines nur nachts flog. Die Flüge mit Air Deccan waren unpünktlich wie immer. Aber wir hatten einen vollen Tag für Amritsar - das reichte auch völlig. Allerdings waren wir zu einer ungünstigen Jahreszeit unterwegs - Anfang Juli kurz vor Beginn des Monsuns. Die Tagestemperaturen in Amritsar lagen oberhalb von 40°C und es war sehr diesig. Den Goldenen Tempel haben wir zweimal besucht, einmal frühmorgens und dann nochmal mittags. Am frühen Nachmittag waren wir von der Hitze kaputt. Einen angeblich sehr lohnenden Ausflug von Amritsar an die pakistanische Grenze nach Wagha (30 km von Amritsar) haben wir nicht mehr geschafft.

Amritsar
Amritsar - das ist vor allem der Goldene Tempel. Also fuhren wir frühmorgens um 5.30 Uhr noch vor Sonnenaufgang zur Tempelanlage. Das Sikh-Heiligtum liegt inmitten eines künstlichen Sees und ist über einen Damm erreichbar. Ausländer haben freien Zutritt und Eintritt wird auch nicht verlangt. Im Tempelbezirk müssen wie überall die Schuhe ausgezogen werden. Männer und Frauen müssen ihren Kopf bedecken, entsprechende dünne Tücher erhält man kostenlos.

In der Anlage darf man frei photographieren, nur im Innern des Goldenen Tempels selbst herrscht striktes Photoverbot.

In der Dunkelheit kam der angestrahlte Goldene Tempel gut zur Geltung.

Am heiligen Teich mit dem schönen Namen Amrit Sarowar (See der Unsterblichkeit) gibt es einige Stellen, wo Männer und Frauen ein rituelles  Bad nehmen können.

Auf dem einzigen Zugang zum Tempel bilden sich zu jeder Tageszeit lange Schlangen. In regelmässigen Abständen stehen orangefarbene Aufpasser, die mit einem langen Spiess bewaffnet sind. Sie sorgen für Ordnung und Einhaltung der Regeln. Am Wasser sitzen ist o.k., Beine ins Wasser tauchen aber nicht, der Zutritt zum Wasser ist nur an den ausgewiesenen Stellen erlaubt.

Zum Tempel mussten wir uns in der Schlange einreihen. Auf dem Weg zum Tempel passierten wir eine Stelle, wo kostenlos ein interessant schmeckender vegetarischer  Brei angeboten wurde.

Die Atmosphäre am Tempel wird geprägt durch die sehr einprägsame harmonische Musik. Dabei werden Verse aus dem Adi Granth, dem heiligen Buch der Siksh zitiert. Das Innere des Tempels ist prächtig ausgeschmückt und wirkt sehr harmonisch.

Jeder Sikh sollte einmal im Leben nach Amritsar hier zum Goldenen Tempel pilgern.

Gegen 8 Uhr wurde es dann langsam heiss, wir unterbrachen unseren Rundgang, ruhten uns eine Weile im Hotel aus und kehrten noch einmal zur Mittagszeit zurück.  Schon am Vormittag bildete sich ein Schleier aus Dunst und Staub. Der Himmel blieb blaugrau, dabei kletterte die Temperatur auf 42°C.

Noch einmal umrundeten wir den Tempel und genossen die einzigartige Atmosphäre.

Der Goldene Tempel ist die Top Sehenswürdigkeit von Amritsar.  Es gibt noch einen Hindutempel (Durgiana Mandir), der ebenfalls in einem künstlichen See liegt und teilweise vergoldet ist. Die Anlage ist durchaus nett, steht aber in keinem Vergleich zum goldenen Sikhtempel.

In der Nähe liegt Jallanwalla Bagh. Dies ist eine Gedenkstätte in einer Parkanlage.

Hier fand 1919 während des Unabhängikeitskrieges ein grausames Massaker statt. Britische Truppen eröffneten das Feuer auf friedliche unbewaffnete Demonstraten - am Ende gab es 400 Tote und die dreifache Anzahl an Verwundeten.

 

 

Hier liessen sich junge Siks vor den Einschusslöchern im Mauerwerk, die heute noch stolz präsentiert werden, photographieren. Infolge dieser Ergenisse vereinigte sich die indische Unabhängigkeitsbewegung unter der Führung von Mahatma Gandhi und trieb den Kampf gegen die Briten voran.

Zum Abschluss in Amritsar posierte der Rikshafahrer nochmal stolz vor seinem schon recht betagten Gefährt.

Ein Wort noch zu den Sikhs: die Sikh gelten auch heute noch als Krieger. Unter den Sikhs finden sich in der Tat überproportional grosse kräftige Burschen, die mit Turban und Vollbart durchaus furchteinflössend aussehen können. Obwohl sie nur gut 1 % der indischen Bevölkerung ausmachen, wird die indische Armee heute noch von Sikhs dominiert. Mehr als die Hälfte der höheren Offiziere sind Sikhs. Ich bin in Indien mehrfach in Sikhtempeln gewesen. Überall wurde ich sehr freundlich aufgenommen. Mehr wie einmal spürte ich, wie stolz die Sikhs auf ihre Gemeinschaft sind. Wir trafen in unserem Hotel eine Gruppe Sikhs aus Kopenhagen, die auf Heimaturlaub waren. Die indische Mehrheit der Hindus werden von den Sikhs immer etwas von oben herab als Feiglinge bespöttelt. Ohne die Sikhs sei die indische Armee kaum verteidigungsfähig, sagte man mir. Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen liess sich schlecht nachprüfen.