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Gir Nationalpark und Diu

Im April beschlossen Birgit und ich, ein Wochenende in Diu und Umgebung zu verbringen. Von Mumbai flogen wir also direkt mit Jet Air nach Diu. Diu ist eine Insel vor der Küste von Gujarat. Zusammen mit Daman und dem viel weiter südlichen liegenden Goa gehörte Diu bis 1961 zu Portugal. Bis heute sind Daman und Diu Unionsterritorien und gehören nicht zu Gujarat. Das wäre eine Randnotiz - wenn es in Gujarat nicht das Alkoholverbot gäbe.

Nach der Ankunft in Diu mieteten wir uns ein Auto mit Fahrer und fuhren zum Gir National Park, der etwa 70 km landeinweits in nordöstlicher Richtung von Diu liegt. Der Gir Nationalpark ist der einzige Zufluchtsort des Indischen Löwens. Wir quartierten uns in einem Hotel ein, das in der Nähe des Parkes lag. Der Gir Nationalpark ist 1400 km2 gross und umfasst sowohl grössere Waldgebiete als auch dichtes Buschwerk. Die Hotels in der Umgebung bieten alle Safaris an. Den Gir Nationalpark kann man nur organisiert besuchen - man braucht einen Wagen, auch ein Führer für den Park ist obligatorisch. Der Besuch wurde dadurch rech teuer. Auto, Photoerlaubnis, Nationalparkticket, Führer müssen bezahlt werden und zwar pro Besuch - es gab keine Tagestickets.

Wir haben an einem Tag zweimal (frühmorgens und nachmittags) eine knapp zweistündige Safari gemacht. Es gibt einfache nichtasphtaltierte Schotter - und Steinstrassen, die durch den Park führen.

Kräftig durchgerüttelt wird man also auf jeden Fall. Man muss sagen, dass der Besuch im Gir Nationalpark nicht mit einer Safari in Ostafrika vergleichbar ist - es gibt keine vergleichbare reiche Tierwelt. Wie bei jeder Safari ist es ausserdem Glückssache, Raubtiere zu sehen. Ausser Löwen soll es noch Leoparden und Hyänen geben - die bekommt man aber so leicht nicht zu Gesicht.

Der Indische Löwe hat eine etwas kleinere Mähne wie sein afrikanischer Verwandter. Früher war er im ganzen nördlichen Indien verbreitet, aber durch die wachsende Bevölkerung wurden die Löwen immer weiter zurückgedrängt. Nur hier im Gir Nationalpark hat eine kleine Population überlebt.

Wir sahen gleich bei unser morgendlichen Safari einen männlichen Löwen im Gebüsch liegen.

Es blieb jedoch bei diesem einem. Grosse Teile des Parkes haben ein relativ dichtes Unterholz, wo die Löwen sich gut verstecken können. Bei der Nachmittagssafari waren auch relativ viele Besucher im Park, so dass wir gut nachvollziehen konnten, dass sich die Löwen verkrochen. Was für Tiere sieht man noch? Die häufigsten Tiere im Gir dürften verschiedene Hirsche und Gazellenarten sein.

Ausserdem versperrte uns ein radschlagender Pfau den Weg.

Es gibt eine reiche Vogelwelt, u.a. sahen wir einen Eisvogel (kingfisher) und einen Kauz.

Nachmittags sahen wir kurz vor Verlassen des Parkes in einem Fluss ein Krokodil träge dahinschwimmen.

Nach dieser eintägigen Safari fuhren wir nach Diu zurück, wir wollten uns noch einen Tag in dieser ehemaligen portugiesischen Kolonie umsehen.

Diu

Die Insel Diu ist 10 km lang und 3 km breit, auf ihr liegt das gleichnamige Städtchen, das mit 30.000 Einwohner für indische Verhältnisse winzig klein ist. Die Insel hat ganz schöne Strände - wir haben sie nur im Vorbeifahren gesehen. An dem Tag war es um 35°C heiss, die Strände waren baumlos und boten keinen Schatten - das war nichts für uns. Die indischen Besucher kamen auch nicht wegen der Strände. Nach Diu kommt man, weil es hier Alkohol gibt. Im übrigen Gujarat haben nur ganz wenige Luxushotel die Erlaubnis zum Alkoholausschank - ansonsten herrscht Prohibition. Also fahren die Leute in die Enklave nach Diu und geben sich am Wochenende hier die Kante. In unserem Hotel war eine Gruppe von jungen Indern, die schon zum Mittagessen kräftig becherten - Bier und Whisky bei der Hitze - uns wurde schon beim Hinsehen schlecht. Abends schienen sie alle abgefüllt zu sein - wir haben sie dann im Laufe des Abens nicht mehr gesehen, die Nacht verlief dann auch ruhig. Man muss also in ganz Diu mit Betrunkenen rechnen - im übrigen Indien ein sehr ungewohntes Bild, höchstens zu gewissen Feiertagen sahen wir Leute öffentlich trinken.

Das markanteste Gebäude von Diu ist das Portugiesische Fort, was im Jahre 1535 erbaut wurde.

Die Festungsgräben und Mauern sind noch gut erhalten, es stehen auch noch einige Kanonen herum.

Vom oben hat man einen schönen Blick auf die Anlage und aufs Meer.

Im Städtchen selbst erinnert einiges an Portugal. In den engen Gassen fühlten wir uns nach Lissabon versetzt, die weissgetünchte Kirche passte auch in dieses Bild...

...bis uns das nächste umherstreifende Rindvieh daran erinnerte, dass wir uns in Indien befanden.

Von Diu flogen wir am Sonntagabend dann via Porbandar nach Mumbai zurück.