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Sikkim
Der indische Bundesstaat Sikkim im Himalaya grenzt an Nepal, China (Tibet) und Bhutan und im Süden an West-Bengal. Sikkim kam erst 1975 als 22. Bundesstaat zu Indien. Von 1950 - 1973 war Sikkim ein Protektorat und weitgehend unabhängig. Nach einem Putschversuch 1973 durch die nepalesische Bevölkerungsgruppe marschierten indische Truppen nach Sikkim ein. Offiziell heisst es, dass Sikkim die indische Armee zum Einmarsch angefordert habe. Die Inder sind nämlich bis heute stolz darauf, dass ihre Truppen noch nie als Invasionsarmee in einem anderen Land einmarschiert sind.

Für den Besuch von Sikkim reicht das indische Visum allein nicht aus. Man braucht ein spezielles Permit, das wir uns in Darjeeling besorgten. Das Permit war kostenlos, man musste es aber selbst besorgen und abstempeln lassen.  Von Darjeeling bis nach Gangtok sind es knapp 100 km. Die Fahrt über eine kurvenreiche Nebenstrasse dauerte gut drei Stunden. An der Grenze der Bundesstaaten West-Bengal/Sikkim wurden wie an einer Staatsgrenze unsere Pässe kontrolliert. Bis nach Gangtok sind dann nochmal gut 30 km.

Die Hauptstadt Gangtok hat 30.000 Einwohner und liegt auf 1800 m Höhe an einem Berghang. Obwohl die Stadt relativ klein ist, ist alles recht weitläufig.

Wie üblich organisierten wir uns über unser Hotel ein Auto mit Fahrer.  Zunächst fuhren wir zum Enchey Kloster. Das liegt bei Gangtok in einem kleinen Wäldchen. Im Eingangsbereich geht man an den Gebetsmühlen und -fahnen vorbei.

Heute leben noch etwa 90 Mönche hier. Das Enchey Kloster ist 200 Jahre alt und gehört zu den bedeutendsten Klöstern in Sikkim.

Neben dem Kloster befindet sich ein botanischer Garten, wo u.a. Orchideen gezüchtet werden.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Kloster Rumtek. Rumtek liegt gegenüber von Gangtok auf der anderen Seite des Tales. Von Rumtek aus hat man einen guten Blick auf Gangtok.

Rumtek ist wohl das einflussreichste buddhistische Kloster Sikkims. Es ist der offizielle Sitz des Gyalwa Karmapa, des spirituellen Führers des Kagyupaordens (Schwarzhutorden). Die hölzerne Fassade des Klosters ist bunt verziert.

Rote Säulen umgeben die Gebetshalle und die Wandmalereien zeigen Tempelwächter und andere Fabelwesen.

Direkt neben dem Tempel steht das Karma Shri Nalenda Institute of Buddhist Studies. Es wurde erst 1984 im traditionellen tibetischen Stil erbaut.

Hier studieren die Mönche für mindestens neun Jahre. Die beiden jungen Mönche hatten allerdings wohl gerade frei. Sie lachten und bearbeiteten ihre Mobiltelefone - es sah sehr nach einem Computerspiel aus. Als ein dritter älterer Mönch plötzlich aus dem Haus trat, verschwanden die Mobiltelefone blitzschnell unter der roten Kuppe.

In Sikkim sind nicht nur die Klöster tibetisch beeinflusst, sondern auch das Essen. Besonders empfehlenswert sind die im Bastkorb servierten und mit Fleisch gefüllten Momos. Das sind Teigtaschen, die mit Krautsalat serviert werden.  Schmecken ähnlich wie Maultaschen, nur besser Zwinkernd.

In der Trockenzeit hat man von Gangtok aus einen schönen Blick auf den höchsten Berg von Indien, der gleichzeitig der dritthöchste der Welt ist: der 8586 m hohe Kangchenjunga. Am nächsten Morgen war zumindest eine kleine Spitze des Bergmassives einmal kurz zu sehen.

Wir hatten mit unserem nepalesischen Fahrer eine weitere Tour zum Tsomgo Lake ausgemacht. Dieser See liegt auf 3800 m Höhe, nicht weit von der chinesischen Grenze entfernt. Als wir von Gangtok wegfuhren, regnete es in Strömen. In den Bergen blieb es zunächst grau und neblig.

Ein bisschen fühlten wir uns in die Alpen versetzt: grüne Vegetation, Wasserfälle. Nur der Rastpavillion passte nicht nach Europa.

Überall wuchsen wilde Orchideen.

Nach einer ziemlich kurvigen Fahrt kamen wir dann oben am Tsomgo-See an. Hier oben war eine kleine Ortschaft, die nur aus einigen Blechbuden bestand.

Die Höhenluft machte uns schon etwas zu schaffen. Hier hatten wir die Gelegenheit, auf Yaks zu reiten. Anfangs war ich skeptisch. Aber diese Tiere können problemlos 200 kg tragen. Die Preise waren zudem offiziell ausgeschildert, handeln war nicht nötig. Die Leute waren zudem sehr nett. In diese äusserste Ecke Indiens kommt auch nicht mehr jeder, der es zum Taj Mahal geschafft hat...

Der Yakritt machte ausserdem Spass. Und eines muss man den Viechern lassen: ob sie geradeaus laufen, steil bergauf oder steil bergab - alles geschieht in einem Tempo. Besonders wenn es bergab geht, musste man sich gut festhalten, um nicht abgeworfen zu werden. Zum Glück haben die Yaks breite Hörner, an denen man sich an den schwierigen Stellen wie an einem Fahrradlenker festhalten konnte.

 

Etwa 500 m vom Dorf entfernt war ein Aussichtspunkt mit Blick über den See. Trotz indischen Visum und Sikkimpermit war hier für uns am Tsomgo Lake Schluss. Bis zur chinesischen Grenze sind es von hier 18 km. Aber da kommen Ausländer nicht hin.

Nach dem Abschied von unserem Yak hatten wir noch die Gelegenheit, hier eine seltene Spezialität zu erwerben: eine Kette aus köstlichem Yakkäse. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich gestehen, dass der Käse mir zu hart und zu zäh war. Dafür hätte man ihn jahrelang aufbewahren können und geruchlos war er auch.

Die zwei Mädels freuten sich auf jeden Fall, dass wir etwas kauften. An den Gesichtern erkennt man deutliche Unterschiede zu den "normalen" Indern im Tiefland. Ein Teil der Leute in Sikkim stammte ursprünglich aus Nepal.

Für uns hiess es nun Abschied von Sikkim zu nehmen. Wir fuhren nach Gangtok und von dort gleich weiter nach Darjeeling zurück.